Konsens
Folge “Erziehungsratgeber” in Zusammenarbeit mit den Freiburger Nachrichten
„Im Kindergarten und in der aussenschulischen Betreuung meiner Kinder wird in letzter Zeit ein sogenanntes «Hosen-herunterziehen-Spiel» gespielt. Am Anfang des Schuljahres wurde bei beiden meiner Kinder die Hose runtergezogen, was ihnen sehr unangenehm war und sie haben sich dabei sehr geschämt. Seit den Herbstferien gehören meine Kinder nun selbst zu den «Tätern». Ich habe oft mit ihnen darüber gesprochen, doch das Verhalten geht trotzdem weiter. Ich möchte verhindern, dass Kinder durch dieses Geschehen traumatisiert werden. Wie kann ich mit dieser Situation umgehen?“
Die Grundregeln des Konsenses («Nur Ja ist ein Ja») sollten bereits mit kleinen Kindern besprochen und gelebt werden. Wenn ein Kind der Grossmutter oder dem Grossvater kein Müntschi geben möchte, sollte dies respektiert werden. Das bedeutet nicht, dass die Kinder ihre Grosseltern nicht richtig begrüssen sollen, sie können selbst entscheiden, wie sie es tun möchten.
Auch im Umgang mit Schulkameraden und Schulkameradinnen sollten Kinder lernen, das Einverständnis anderer einholen und dieses selbstverständlich respektieren.
Z.B. beim Fangins spielen, beim Ausleihen von Schreibmaterial, oder bei Körperkontakt.
In ihrer Situation ist es notwendig, dass die Erwachsenen einstimmig engreifen, da dieses Verhalten bereits mehrere Wochen anhält. (Lehrpersonen, Schulsozialarbeit, Personal ASB, Eltern) Konsens sollte also sowohl in der Schule, zu Hause und in der aussenschulischen Betreuung thematisiert werden. Spiele, Bücher und Diskussionen können diesen Lernprozess unterstützen. Auch klare Grenzen sollten definiert werden, und die möglichen Konsequenzen.
Für die Kinder ist wichtig von Erwachsenen zu hören, dass die Neugierde für seinen wie andere Körper etwas völlig Normales und Teil der kindlichen Entwicklung ist, solange Grenzen eingehalten werden.
Kinder werden durch solche Situationen nicht automatisch traumatisiert. Traumatisierend kann es jedoch werden, wenn nicht eingegriffen wird und sie sich der Situation ausgeliefert fühlen. Wenn Erwachsene die Situation wahrnehmen, ansprechen und alle Beteiligen Informieren, lernen die Kinder:
Die Erwachsenen sind für mich da, wenn die Situation schwierig wird, und ich kann mir bei ihnen Hilfe holen.
Die Schule, die Eltern und Betreuungspersonen können sich zur Unterstützung, didaktisches Material beschaffen; in der Bibliothek, bei einer Fachstelle, oder direkt bei der Familienbegleitung Freiburg.