Imaginärer Freund
Folge “Erziehungsratgeber” in Zusammenarbeit mit den Freiburger Nachrichten
„Ich bin alleinerziehende Mutter von einem bald 4-jährigen Jungen. Seit etwa einem halben Jahr begleitet ihn oft ein unsichtbarer Freund namens Anton. Mein Sohn spielt mit ihm, spricht mit ihm und möchte, dass er uns auf unseren Ausflügen begleitet. Ich mache mir Sorgen, dass er sich vielleicht alleine fühlt oder vielleicht sogar etwas erlebt hat, das ihn belastet und es mir nicht sagen kann. Wie soll ich auf „Anton“ reagieren?“
Ein imaginärer oder unsichtbarer Freund ist eine Figur aus der Fantasie und kommt ganz oft vor im gesunden Entwicklungsprozess des Kindes. Das können Personen, Tiere oder andere Kreaturen sein und sie entstehen oft im Alter zwischen drei und sieben Jahren. Kinder sind unheimlich erfinderisch und denken sehr kreativ. Sie müssen viel lernen und verarbeiten. Der imaginäre Freund hilft ihnen dabei. Sie können zum Beispiel soziale Interaktionen mit ihm üben oder Gefühle wie Angst und Wut mit ihm teilen und so besser verarbeiten. Er hilft ihnen, soziale Fähigkeiten zu entwickeln, um sich in der realen Welt zurechtzufinden. Ihr Sohn darf in dieser imaginären Welt sich ja auch immer so verhalten wie er möchte, was er in der Wirklichkeit nicht unbedingt kann. Oft spielen Kinder häufiger mit ihrem imaginären Freund, wenn sie einen Entwicklungsschritt oder sonstige intensive Erfahrungen machen.
Nehmen sie «Anton» ernst und integrieren sie ihn, hören sie ihm zu, vielleicht erfahren sie so ja etwas mehr über ihren Sohn. Verbieten sie ihn nicht oder schimpfen sie nicht mit ihm, das macht ihr Sohn selber, wenn er es für notwendig hält. Die Akzeptanz und Integration des imaginären Freundes stärkt die Bindung zu ihrem Sohn und zeigt ihm, dass sie ihn Ernst nehmen.
Wenn ihr Kind sich immer mehr zurückzieht, Einladungen von anderen Kindern ablehnt, sich zunehmend aggressiv verhält, immer weniger am alltäglichen Leben teil nimmt und die Fantasiewelt wichtiger wird als die reale Welt, lohnt es sich, mit einer Bezugsperson im professionellen Bereich, zum Beispiel ihrer Kinderärztin oder einem Pädagogen, über das Verhalten ihres Kindes zu sprechen.
Also, machen sie sich keine Sorgen und freuen sie sich über seine Kreativität! Vielleicht anfügen, dass man hingegen die "Sache" auch nicht extra grösser machen oder verstärken muss, oder sich im Alltag zu sehr an den Freund anpassen, wenn es für die Familie nicht passt...