Trauer
Folge “Erziehungsratgeber” in Zusammenarbeit mit den Freiburger Nachrichten
„In unserer Familie gab es in den vergangenen Wochen grosse Veränderungen; mein Bruder hat sich von seiner Freundin getrennt. Sie wohnten im selben Haus wie wir und sie hatte 3 Kinder, mit denen unser Sohn jeden Tag spielte. Seit dieser Trennung, die auch unser Leben auf den Kopf gestellt hat, ist unser Sohn sehr traurig. Er war bis zu diesem Zeitpunkt ein sehr aufgestellter Junge und hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Wir erkennen ihn heute nicht mehr, und wir wissen nicht wie wir ihm helfen können, oder ob wir doch zu einer psychologischen Fachperson gehen sollten.“
Ihre Lebenssituation hat sich stark verändert, und wenn in ihrem Haus bis vor kurzem 3 Kinder gewohnt haben, die plötzlich weggezogen sind, ist es sehr verständlich, dass ihr Sohn traurig ist.
Wenn Kinder traurig (oder auch wütend sind), versuchen wir Erwachsenen oft, sie schnell auf andere Gedanken zu bringen, sie umzustimmen. Die von uns als positiv bezeichneten Emotionen sind für uns einfacher zu akzeptieren und auszuhalten. Dabei sind unangenehme Emotionen wichtig und kommen im Leben oft vor.
Auch Erwachsene haben oft Mühe, mit ihnen umzugehen. Um dies zu lernen braucht es Zeit und konkrete Erfahrungen. Ihr Kind lernt im Moment fürs Leben, sie können ihn dabei begleiten und ihm helfen, gestärkt aus dieser Situation zu kommen.
Wir können den Kindern den Schmerz nicht abnehmen. Jedoch können wir es darin begleiten, die Gefühle wahrzunehmen und sie auszudrücken. Dies ist ein Weg seine Emotionen zu erkennen und zu lernen, mit ihnen umzugehen. Als erster Schritt können Eltern die Traurigkeit benennen, wenn sie ihr Kind in diesem Zustand sehen. Dann kann die Traurigkeit auch bewusst zusammen erlebt werden, so ist sie einfacher auszuhalten. Vielleicht hat ihr Kind Fragen dazu, was passiert ist? Vielleicht könnnen sie ihm vorschlagen zusammen einen Tee trinken, Musik hören, Fotos aus der gemeinsamen Zeit anschauen? Und vielleicht möchte es aber auch lieber gerade nicht darüber reden… Das Kind kann seinen Rhythmus bestimmen.
Um Trauer zu verarbeiten, braucht es in erster Linie Zeit. Sollte der Zustand Ihres Sohnes jedoch trotz ihrer Begleitung über längere Zeit anhalten und sich nicht weiterentwickeln, kann es sinnvoll sein, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.