Trennung

Folge “Erziehungsratgeber” in Zusammenarbeit mit den Freiburger Nachrichten

Mein Mann und ich haben uns vor Kurzem getrennt, und es hat unsere Familie aus der Bahn geworfen. Unsere beiden Kinder, 4 und bald 6 Jahre alt, verhalten sich seither ganz anders. Einfache und alltägliche Dinge, die vorher problemlos funktioniert haben – wie ins Bett gehen, Zähneputzen oder Ämtliplan einhalten, eskalieren jetzt oft zu einem riesigen Streit. Ich weiss, dass die neue Situation für die Kinder schwierig ist und dass sie Zeit brauchen. Gleichzeit möchte ich wissen, wie kann ich diese Phase begleiten, auch wenn mir im Moment die Kraft fehlt?

Solche Situationen sind nicht einfach, und doch bieten sie eine sehr gute Gelegenheit, sich selbst und die Familie neu zu finden und sich neu zu orientieren. Auch die Kinder lernen in solchen Momenten viel – etwa, wie man mit schwierigen Lebenslagen umgeht. Dadurch wird auch ihre Resilienz geübt. Die Eltern sind dabei wie in jeder Lebensphase Vorbilder für ihre Kinder.

Gleichzeitig ist es wahrscheinlich nötig, das Zusammenleben neu zu definieren. Ein spannendes Werkzeug dafür sind Familienräte : Einmal pro Woche können sich die Kinder mit der erziehungsberechtigten Person zusammensetzen und aktuelle Themen besprechen. Dabei geht es sowohl um Dinge, die im Alltag gut gelingen, als auch um Bereiche, an denen die Familie gemeinsam arbeiten möchte. Auch Regeln können in diesem Rahmen neu überdacht und mit Beteiligung der Kinder angepasst werden.Natürlich können Kinder nicht alles entscheiden, aber je nach Alter und Situation können sie ihre Ideen, Gefühle und Lösungsvorschläge einbringen. Die endgültige Entscheidung liegt weiterhin bei der Erziehungsperson. Familienräte sollten kurz, strukturiert und zielorientiert gestaltet werden. Neue Regeln und deren Konsequenzen, die gemeinsam beschlossen werden, sollten schriftlich festgehalten und sichtbar aufgehängt werden. Um Energie zu sparen und Verbindlichkeit zu schaffen, empfiehlt es sich, die Termine festzulegen und eventuell eine neutrale Person beizuziehen, um die Familienräte zu leiten. Sowohl Kinder als auch der Elternteil bekommen Raum, sich kreativ und aktiv an der neuen Familiensituation zu beteiligen. So liegt die Verantwortung nicht allein beim Elternteil, und dieser kann sich gezielt auf die neue Familienorganisation konzentrieren.

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